280 Jahre Schloss Bruchsal

 die einzige geistliche Residenz der Barockzeit am Oberrhein

Schloss Bruchsal - Corps de Logis - Gartenseite

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Geschichte
der Stadt

Barock in Bruchsal

Damian Hugo
von Schönborn

Welsch,
Ritter

Neumann, Marchini

Zerstörung / Wiederaufbau

Schloss-
garten

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Bruchsal,

Z e r s t ö r u n g  u n d  W i e d e r a u f b a u

1 9 4 5 :  Z e r s t ö r u n g  a m  1 .  M ä r z
Am frühen Nachmittag des 1. März 1945 wird die Stadt Bruchsal bombardiert. Das Ziel war angeblich der Eisenbahnknotenpunkt Bruchsal, getroffen wurde die ganze Stadt. Der Angriff dauerte 40 Minuten. Danach lagen Stadt und Schloß in Schutt und Asche. Fast 1000 Menschen kamen ums Leben. Die Schloßanlage wurde dabei so schwer getroffen, daß man lange Zeit unschlüssig war, ob sich der Wiederaufbau überhaupt lohne. Hatte Damian Hugo von Schönborn, als er sich in einem Brief über die "separirte Bauform" äußerte, dieses Schicksal verhindern wollen, indem er folgendes schrieb: "Ich baue haldt in ein landt, wohe täg- und stündtlich kriech, also muß es auch so gebauet werden, daß wan eine flam aufgehet, das andre gebey noch zu erretten, also wirdt fast alles von einander separiret, hat doch seine communicationes, hat viel höf und separationes..."

[ Norden ]

Foto 2. März 1945

Luftbild der zerstörten Stadt am Tag nach dem Großangriff (Schloss o.l.)

1 9 4 5 :  B i l d e r  d e r  Z e r s t ö r u n g

Balthasar Neumanns Treppe
Corps de Logis Corps de Logis
Neumanns Torwachtgebäude nach dem Luftangriff Schlossraum
4 Ansichten Neumanns Kirchturm
Kanzleigebäude
Blick vom Damianstor Front Corps de Logis Corps de Logis 4 Aufnahmen zerstörte Hofkirche
Kreuz

Die gezeigten Fotos können durch Klicken vergrößert werden. Sie stammen aus der Dokumentationsausstellung im Ergeschoß “Schloß Bruchsal - gebaut, zerstört, wiedererstanden”.

Kreuz

Die SW-Aufnahmen machte der Bruchsaler Fotograf Carl Ohler. Die letzten drei Aufnahmen sind von Friedrich Häcker. Ich verdanke sie Gertrud Häcker (30). Das Luftbild: US-Army.

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Die Kriegsschäden werden notdürftig beseitigt. Jedoch kann man nicht verhindern, daß durch Wind und Wetter, durch Altmaterialverwertung, durch Gleichgültigkeit und Vandalismus vieles zerstört wird, was das Bombardement überstanden hatte.

Als erstes wurde das durch Brandbomben schwer beschädigte Kanzleigebäude wieder hergestellt und ab September 1951 wieder als Amtsgericht genutzt. Die Tatsache, daß man das Schloß für die Amtsräume der zahlreichen städtischen Behörden dringend benötigte, wirkte sich letzten Endes segensreich auf den Wiederaufbau aus, wenn auch die Schwierigkeiten manchmal kaum zu meistern waren.

Segensreich sollte sich bei der Rekonstruktion die Tatsache auswirken, daß es für die meisten zerstörten Bauwerke und Inneneinrichtungen (jedoch keineswegs für alle) professionelle Fotografien gab, die man als Vorlage nutzen konnte. Es wurden sowohl Bruchsaler Unternehmen gewonnen, wie auch Künstler von Weltrang, die sich um den Wiederaufbau verdient gemacht haben. Von den Mauern, die den Luftangriff überstanden hatten, konnte man oft leider nichts nutzen. Sie wurden, da sie durch die Hitze total ausgebrannt waren, abgerissen und wieder neu aufgebaut. Die Fundamente/Grundmauern konnten jedoch weitgehend benutzt werden.

Foto Friedrich Häcker

Die Bruchsaler Handwerker (wie auch der Fotograf) mußten mutig und schwindelfrei sein

Dokumentationsaussellung

Die Dokumentationsaustellung zeigt die alten Handwerkstechniken anhand von Beispielen

1 9 6 4  b i s   1 9 7 5   D e r    W i e d e r a u f b a u
Die Nebengebäude werden nach und nach wieder von verschiedenen Behörden genutzt. Dies bedeutet die Rettung für die ehemalige Residenz. Doch wie sollte der Schloßhauptbau genutzt werden? Glücklicherweise waren bei dem Luftangriff wesentliche Teile des Neumannschen Treppenhauses nur wenig beschädigt worden.

1964 endlich wird entschieden, das Corps de Logis als Museum originalgetreu zu restaurieren, wobei in weiser Bescheidung die musealen Räume technisch funktionell gestaltet werden. Die wesentlichen Teile im Erdgeschoß: Intrada, Grotte und Gartensaal - das Treppenhaus und die Räume im Obergeschoß: Fürstensaal, Kuppelsaal und Marmorsaal, werden originalgetreu restauriert. In einer Anstrengung ohne gleichen waren technische und künstlerische Probleme zu bewältigen, die in Deutschland ihresgleichen suchen. Untergegangene Techniken mußten wiederentdeckt werden. Die Tatsache, daß Bruchsal so spät restauriert wurde, daß die Arbeiten sich so in die Länge zogen, war wohl von entscheider Bedeutung für das Gelingen.

Kreuz

Der Bruchsaler Steinmetz und begeisterte Fotoamateur Friedrich Häcker, schildert den Baufortschritt eindrucksvoll anhand von zahlreichen Fotografien: Friedrich Häcker,  “Schloss Bruchsal - Perle des Barock, der Wiederaufbau in den Jahren 1950 bis 1981”
(s. (30) Literatur).

1973 entdeckte man das vielleicht liebenswerteste Element der Schloßanlage: Die meisten der auf der Achse des Damianstors gelegenen Gebäude hatten ursprünglich eine rotweiße Ziegelsteinmalerei aufgewiesen. Man nimmt an, daß Damian Hugo während seines Aufenthaltes in den Niederlanden die holländische Backsteinarchitektur schätzen gelernt hat. (Vgl. das Holländische Viertel in Potsdam, 1737-1742, mit 134 echten Backsteinhäusern). Vor mehr als 200 Jahren war die Backsteinmalerei am Bruchsaler Schloß bereits untergegangen. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte man an einem unbedeutenden Mauerrest die Malerei und war flexibel genug, noch in letzter Minute das Renovierungskonzept entsprechend zu ändern.

Luftaufnahme Friedrich Häcker 1991

Friedrich Häcker Luftaufnahme 1991: Das Schloß Bruchsal

Schneckenbrunnen

Gemalte Backsteinfassade des Amtsgerichts, mit Schneckenbrunnen und der Plakette Amaliens

Der Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses dauerte 30 Jahre. Die besten Künstler, Kunsthandwerker, Architekten und Bauingenieure arbeiteten zusammen und realisierten schier Unmögliches. Am 28. Februar 1975 konnte das Schloß wieder eröffnet werden.

Dieses Beispiel zeigt Marchinis meisterhafte Illusionsmalerei, für die Schloss Bruchsal berühmt ist. Über die Jahrhunderte war das Schloss jedoch meist in häßlichem Grau getüncht und hat deshalb seine Besucher nur selten beeindruckt.

Sonnenuhr am Orangeriegebäude Malerei Giovanni Francesco Marchini

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E r h a l t u n g s ma ß n a h m e n

24 Jahre Wind und Wetter haben dem Torwachtgebäude, dem Orangeriegebäude und dem Dach der Hofkirche inzwischen arg zugesetzt. Um eine Zerstörung der Bausubstanz zu verhindern, sind in diesen Tagen Unterhaltungsmaßnahmen eingeleitet worden. Einige Teile des Schloßkomplexes sind bereits eingerüstet: Derzeit sind das Torwachtgebäude und das Gesundheitsamt "verhüllt" - würde Christo sagen. Der Gesamteindruck wird dadurch - überraschenderweise - kaum gestört. Die Kosten der Erhaltungsmaßnahmen, in denen auch die Verschönerung des Alleeweges im mittleren Schloßgarten enthalten ist, belaufen sich auf 1,9 Millionen DM.

verhülltes Torwachtgebäude

Verhülltes Torwachtgebäude

Gesundheitsamt

Verhülltes Gesundheitsamt

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Schneckenbrunnen renoviert verhülltes Torwachtgebäude

Schneckenbrunnen nach der Renovierung

eingerüstetes Torwachtgebäude

Der Schneckenbrunnen ist fertig und kann in seiner alten Pracht bewundert werden.Es ist ihm zu wünschen, daß Vandalen und andere Spinner ihn möglichst lange verschonen mögen.

© 1997-2004 by h.d. müller

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